Falschmeldungen, Täuschungen und Unwahrheiten im Internet

Seit cirka 2004 machte es das sogenannte 'Web 2.0' möglich: Internetuser, die bis dahin nur Netzinhalte konsumierten, passiv waren, konnten nun aktiv werden. Sie schrieben fortan in Weblogs, erstellten Wikis oder beteiligten sich in Sozialen Netzwerken. Die 'Digitale Revolution' veränderte (und verändert weiterhin) unsere Gesellschaft in hohem Maße. [1]

 

Insbesondere die Rolle der Printmedien wurde und wird neu definiert. Die Funktion der Tageszeitungen als "Torwächter" von Informationen und Neuigkeiten wird zunehmend in Frage gestellt. Die von Gratiskultur verwöhnten Internetuser sind nur sehr begrenzt bereit, für guten und investigativen Journalismus (Redaktionen kosten viel Geld) zu bezahlen. Ein Teufelskreis für viele Zeitungen, die trotzdem mit Inhalten Online präsent sein müssen und den Weg in Bezahlinhalte oder qualitativ oft schlechteren und freien Online-Inhalten gehen.

 

Diese - je nach Sichtweise - vermeintliche oder echte "Demokratisierung" der Nachrichteninhalte Online führt zunehmend auch zu Banalisierungen, Trivialisierungen oder gar Lügen. Viele Menschen lassen sich irreführen, glauben den Schwindeleien oder Halbwahrheiten von Personen und Gruppierungen, die mit Ihren Publikationen oft ein definiertes Ziel oder bestimmte Weltanschauung verfolgen.

 

Wie aber erkennt man in der gigantischen Informationsflut des Internet Falschmeldungen, Täuschungen oder Unwahrheiten? Nachfolgend einige wichtige Fragestellungen und Tipps, die helfen können Lügen zu erkennen. Vorweg: Solche Recherchen kosten den Leser Zeit. Leider scheuen viele Menschen diesen Aufwand und nehmen so Irreführungen fahrlässig in Kauf.

 

1. Wie bewerte ich einen Artikel im Internet?

Rico Grimm ist Journalist beim Online-Magazin KRAUTREPORTER. In seinem Artikel "Lügt die Presse? So erkennen Sie es" hat er zehn Fragen zusammengestellt, die helfen einen Beitrag zu bewerten. Mit diesem Quellencheck lassen sich sehr gut Onlineartikel, aber auch Webseiten prüfen. Die Lesbarkeit und Gestaltung der Artikel in KRAUTREPORTER ist generell sehr gut.

Tipp: Am Ende des Artikels finden sich die "10 Gebote" noch einmal übersichtlich zusammengefasst.

 

2. Ist dieses Facebook-Posting seriös?

Mimikama nennt sich selbst: Internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internetuser, die verdächtige Internetinhalte melden möchten. Der Fokus liegt auf dem Sozialen Netzwerk Facebook. Auch dort veröffentlicht der gemeinnützige Verein unter ZDDK (Zuerst denken-dann klicken) seine Berichte. Die Darstellung ist leider durch die viele Werbung manchmal unübersichtlich. Größter Pluspunkt ist sicherlich die Aktualität dieses enorm engagierten Teams.

Tipp: Mehrere Suchbegriffe in der gelben Suchleiste auf der Website ganz oben eingeben.

 

3. Ist diese E-Mail Fakt oder eine Falschmeldung?

Seit 1998 bereits informiert Frank Ziemann im Hoax-Info Service über Computer-Viren, die keine sind, sogenannte "Hoaxes". Aber auch andere Falschmeldungen und Gerüchte werden richtiggestellt. Die Darstellung der Inhalte ist leider nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem: Die Seite bietet Zugriff auf ein großes Archiv, so findet sich auch fast jeder ältere "Hoax" wieder.

Tipp: Einen Suchbegriff links oben im Suchfeld eingeben.

 

4. Ist diese E-Mail, diese Meldung wahr?

Hoaxbusters.de befasst sich mit Unwahrheiten, modernen Sagen und Unfug, der über das Internet verbreitet wird. Der Seitenbetreiber ist nach eigenen Angaben Jurist und seit vielen Jahren im IT-Bereich tätig. Die Darstellung der Inhalt ist schlicht, aber sehr übersichtlich und ausführlich. Die Werbefreiheit ist ein weiterer Pluspunkt beim Browsing auf dieser Website.

Tipp: Mehrere Suchbegriffe in das Suchfeld links oben eingeben.

 

5. Ist das Aberglaube oder Wissenschaft?

Die Gesellschaft GWUP möchte kritisches und wissenschaftliches Denken fördern und setzt sich mit Para- und Pseudowissenschaften auseinander. Neben der (kostenpflichtigen) Zeitschrift 'Skeptiker' betreibt sie auch ein sehr aktuelles und umfangreiches Blog. Schwerpunkte sind Medizin, Wissenschaft, Aberglauben, Verschwörungen und Parapsychologie.

Tipp: Im Blog Suchbegriffe rechts oben im Suchfeld eingeben oder links aus den Kategorien wählen.

 

6. Wo kommt dieses Bild her?

In welchem Kontext Nicht nur mit Texten, auch mit Bildern kann getäuscht werden. Ein hervorragendes Werkzeug zur genaueren Identifikation von Fotos stellt die Google Bildersuche dar. So lässt sich beispielsweise überprüfen welche Webseiten dieselben Bilder verwenden.

Tipp: Auch ähnliche Bilder oder andere Größen des Bildes lassen sich so finden.

 

7. Gerüchte über Asylsuchende

Die Hoaxmap untersucht Gerüchte vor allem über Asylsuchende. Besonderheit dieser Seite, auf der Basis von Google Maps ist es, die Falschbehauptungen geografisch darzustellen. Ein Klick auf den farbigen Marker öffnet die Meldungen. Es kann auch nach Bundesländern und Städten gefiltert werden, auch eine Suchfunktion ist verfügbar.

Tipp: Rechts die Schlagwörter nutzen.

 

8. Wie Sie jemanden überzeugen, dass er falsch liegt

Rico Grimm gibt im gleichnamigen Artikel des Online-Magazins Krautreporter 11 ganz konrekte Hinweise und Tipps um andere Personen zu überzeugen.

 

9. Social Bots erkennen

Teresa Sickert beschreibt auf SPIEGEL Online im Artikel So erkennen Sie Meinungsroboter, wie Social Bots entlarvt werden können, die menschliche Nutzer simulieren.

 

10. Faktenfinder der Tagesschau

Mit dem faktenfinder versucht die ARD Tagesschau Falschmeldungen und Fake News zu enttarnen.

Tipp: Rechts oben die Suchfunktion nutzen.

 

 

Grundsätzlich gilt: Wenn jemand "Die Wahrheit hinter einer Wahrheit" oder "Die wahre Wahrheit" propagiert , ist mit diesen Inhalten und Aussagen höchste Vorsicht geboten. Dann sollte auf jeden Fall eine Bewertung nach Punkt Eins erfolgen.

 

Harald Kloth

[1] Interessant dazu auch die Rezension des Buches 'Digitale Junkies" von Bert te Wildt, rezensiert von Andreas Pickel.