Die Postkarte ist tot ... oder?

Das Internetprojekt Postcrossing

Neben dem Brief war im 20. Jahrhundert die vergleichsweise günstige Postkarte weit verbreitet. Doch in Zeiten von E-Mail, Elektronischen Postkarten und Sozialen Netzwerke geht diese Medienform drastisch zurück.

 

Das Internet verändert viele Lebensbereiche - am deutlichsten zu sehen in der Art unserer Verständigung. Ebenso eröffnet uns das weltweite Netz ungeahnte Chancen. Das 2005 gegründete Projekt Postcrossing verknüpft moderne und vergangene Kommunikationsformen. Es verbindet weltweit Menschen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.

 

Nach der kostenlosen Anmeldung auf www.postcrossing.com erhält man Adressen anderer registrierter Postcrosser. Derzeit sind das mehr als 400.000 Menschen aus über 200 Ländern. Im Profil kann auch angegeben werden, welche Art von Motiven man gerne erhalten mag. Für jede versendete Postkarte bekommt nun ein anderes Mitglied die eigene Adresse mitgeteilt. Wichtig beim Versenden: Die vorgegebene ID-Nummer angeben. Nur so kann der Empfänger nach Erhalt diese wiederum auf der Website eintragen. Schon nach wenigen Wochen trudeln dann Postkarten aus aller Welt ein.

 

Für Briefmarken- und Postkarten-Sammler ist dieses Projekt natürlich hochinteressant. Vor allem aber ist es eine tolle Möglichkeit noch echte Post zu erhalten. Die Welt wird zum globalen Dorf und woher die nächste Postkarte kommt bleibt immer überraschend. Dies macht meiner Meinung nach den hohen Spaßfaktor aus. Übrigens: Englisch ist Pflicht, um die Website verstehen zu können und anderen Postcrossern zu schreiben.

 

Bedenken sollte man das Porto zum Versand. Ebenso die Profileinstellungen. Natürlich wird die eigene Adresse weitergegeben. Diese erhalten aber nur Mitglieder, die ebenfalls Karten versandt haben. Auch erhält man nie mehr als fünf Adressen und kann sein Heimatland ausschließen. Ganz Vorsichtige können sich auch ein Postfach zulegen.

 

Seit 2005 wurden bereits über 17 Millionen Postkarten versandt, dabei haben diese mehr als 90 Milliarden Kilometer zurückgelegt. In solchen Nischen, wie Postcrossing, wird auch die traditionelle Postkarte weiterbestehen. Weil es auch jungen Menschen Spaß macht, echte Überraschungs-Post aus noch völlig unbekannten Ländern zu erhalten.

 

Harald Kloth

 

15.06.2013

Dieser Text erschien auch 2013 in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift B16aktuell.